Sticks, 11/2008
Christian Langer Band – Zwei Tage im Mai

Was ist es denn, wenn es kein deutscher Poprock à la Silbermond oder Juli ist oder Jazzpop à la Roger Cicero, wenn eine Band in klassischer Jazztrio-Besetzung mit Flügel, Bass und Schlagzeug aufspielt und dennoch herzlich wenig esoterischer Jazz zu hören ist? Dann könnte das die Christian Langer Band sein, die hier auf ihrem Album “Zwei Tage im Mai” 15 lupenreine Popsongs (und einen Video Track) im Jazztrio Sound präsentiert, mit manchmal durchaus etwas “schlagerhaften” Liebesliedertexten, die von Pianist/Sänger interessanterweise im Stil des französischen Megastars Pascal Obispo vorgetragen werden (wer den nicht kennt: unbedingt mal checken!). Man kann hier tatsächlich von einer schon geradezu chansonartigen Atmosphäre sprechen. Ist dies vielleicht nun zunächst mal etwas gewöhnungsbedürftig, so macht diese CD immer mehr Spaß, je öfter man sich reinhört.

Das Trio mit Philipp Winzer am Bass und Schlagzeuger Frank Dapper hat das alles übrigens live und ohne Overdubs eingespielt, eben an zwei Tagen im Mai 2008, einmal in einer Studiosession ohne und in einer mit Publikum. Frank Dapper überzeugt durch soliden Groove und auch mal die eine oder andere etwas ausgefallene musikalische Idee. Hier kann man übrigens einen Drummer erleben, der seine rhythmische Connection nicht nur zum Bassisten sucht (und immer treffsicher findet), sondern auch in vielen Passagen wunderbar mit der Klavier-Rhythmik interagiert und es so versteht, die Instrumente auf sehr coole Art rhythmisch miteinander zu verweben. Der natürliche Sound der Produktion trägt mit dazu bei, dass man sich wie in der Live-Atmosphäre eines intimen Clubs fühlt. Da hat man doch gleich Lust, mal auf www.myspace.com/christianlangermusic nachzusehen, ob da denn nicht in der Nähe mal ein Live-Konzert dieses interessanten Popklaviertrios zu erleben ist.

Axel Mikolajczak