Ludwigsburger Kreiszeitung, 11/2002
Der volle Reiz erst beim zweiten Hören

„C-Live’02“ nennt sich die neue CD von Christian Langer, der dem einen oder anderen eher als Sänger „Justice“ der A-cappella-Formation „Füenf“ bekannt sein dürfte.

Im Gegensatz zur „Vokalspottshow“ seiner Haupt-band verfolgt Langer auf seinen Solopfaden das Ziel, seinen Hörern „Popmusik mit Tiefgang“ zu bieten. Hört man die Aufnahmen, die live im Theaterhaus Stuttgart mitgeschnitten wurden, zum ersten Mal, erwartet einen nicht gerade leichte Kost: Viele der durchweg anspruchsvollen Kompositionen erschliessen sich dem Hörer nicht auf Anhieb. Im Gegenteil, diese Platte entfaltet ihren vollen Reiz erst beim zweiten oder dritten Hören, am besten an einem ruhigen Abend mit einem Glas Rotwein zur Hand.

Die meisten Lieder sind sehr zurückhaltend instrumentiert und leben von der anspruchsvollen Klavierarbeit.
Parallelen zu Tori Amos liegen geradezu auf der Hand, wobei dezent eingestreute Tonartwechsel und eine jazzige Harmonik der Musik eine eigene Note verleihen.
Bei „How long“ drängen sich nicht zuletzt aufgrund der grossartigen Wechsel in die Kopfstimme Vergleiche mit dem leider viel zu früh verstorbenen Jeff Buckley auf. Der Titel „Crush“ dagegen klingt fast schon wie eine Unplugged-Version eines „Depeche Mode“-Songs und ist so etwas wie die Hit-Single des Albums.

Zwar finden sich unter den 20 Liedern nicht nur lauter Volltreffer, aber dennoch gilt: Wer sich eine ruhigere Version von Billy Joel vor einem jazzigen Hintergrund vorstellen kann, sollte einem talentierten Musiker aus der Region ruhig einmal eine Chance geben. Zumal die CD, die ausschliesslich im Internet auf Langers Homepage www.c-music.de vertrieben wird, über die gesamte Spielzeit von 65 Minuten einen nahezu erst-klassigen Klang bietet.

Stephan Randler