Schlaglicht, 10/2000
Durch die Seele eines Toten: C-Agesang

“C-Abgesang” ist eine Platte über den Tod. Sie macht aber weder tieftraurig noch zieht sie in den Sumpf von Depressionen, geschweige denn, dass sie auf die Gruseleffekte der Gothics setzt. Sie stimmt überraschend ruhig und gelassen. Es ist “eine versöhnliche Reise durch die verschrobene Seele eines Verblichenen”, so der altertümliche Untertitel des Werks. “Es geht nicht ums Sterben oder um Trauer”, sagt Christian Langer über sein Projekt, “Thema ist der Tod als Ist-Zustand.” Den Sänger und Pianisten, bekannt als Tenor Justice der A-Cappella-Gruppe Fuenf und als Kopf von Supper's Ready, reizte dabei die Vorstellung, Stücke über etwas zu schreiben, worüber niemand etwas weiss, ja, nicht einmal wissen kann.

Die verblichene Seele betrachtet die Zurück-gebliebenen mit Wehmut, wünscht sich aber nicht mehr ins Leben zurück. Sie braucht sich keine irdischen Sorgen mehr zu machen. Sie ist ruhig geworden und richtet sich im Jenseits ein. Die Lieder verführen dazu, mitzugehen ins Schatten-reich, die Grenze des Lebens in Gedanken zu überschreiten und sich einzufühlen in die Gefühlswelt eines Toten. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass man sich Zeit nimmt, sich den Kopfhörer aufsetzt und sich in diese empfindsame Musik hineinsinken lässt.
Leise ist sie und leicht. Akustische Instrumente bestimmen den Klang. Geformt wird er von Piano (Christian Langer), Bass (Mini Schulz) und Schlagzeug (Markus Faller). Bei einigen Titeln kommen Trompete oder Flügelhorn (Herbert Joos) und Saxofon (Carsten Netz) hinzu.

Welchen Stil Christian Langer auch wählt, ob er eine Jazzballade oder einen Popsong schreibt, ob er Elemente aus Musical und Easy Listening einbaut, er trifft den richtigen Ton. Die Lieder sind sinnlich und zärtlich. Sie schweben jenseits von Traurigkeit und Heiterkeit. Sie sind ernsthaft und nachdenklich, aber nicht beklemmend und schwermütig, tiefsinnig, aber nicht abgründig. Am beeindruckendsten ist “Home Now”, ein Testament an den Geliebten: brüchige Worte aus der Welt des Todes, a cappella gesungen. Mit einem sphärischen, versöhnlichen Schluss: “Home now, all begins.”

Volker Meyer

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