Stuttgarter Zeitung, 11/2000
Lieder vom Friedhof – Christian Langer und Band

Christian Langer und Band im Theaterhaus

Eine solche Platte zum Thema Tod zu machen und sie „C-Abgesang” zu nennen, ist mutig und verdient Respekt. Besonders spassig ist sie jedenfalls nicht, die neue CD von Christian Langer, und Party-Stimmung verbreitet sie auch nicht gerade. Dem Zeitgeist der Fun-Gesellschaft also setzt der Pianist und Sänger, der in der Region als Mitglied der Gruppen Supper's Ready und Die Füenf bekannt ist, einen entschlossenen Kontrapunkt entgegen, die Hitparaden wird er mit seinem düster-melancholischen Liederzyklus wohl kaum stürmen. Der Mann nimmt sich vielmehr als Künstler ernst, manchmal vielleicht sogar zu ernst, und als solcher ist er nur seiner eigenen Wahrheit verpflichtet.

Radikal sind sie, seine Songs, in der Beschränkung auf ein Thema, im Willen zum musikalischen Ausdruck und in ihrer Verweigerung, vordergründige Gefälligkeiten zu verteilen. Im Theaterhaus hat Langer seine CD jetzt zusammen mit dem Bassisten Mini Schulz, dem Schlagzeuger Markus Faller und dem Saxofonisten Carsten Netz vorgestellt. Aus einem schwarzen Türlein traten vier in Schwarz gekleidete Musiker in einen vollkommen schwarz ausgekleideten Raum: das Ambiente stimmte. Die Stimme, das Piano, die aparte Begleitung, alles zusammen floss nicht nur elegisch, sondern auch raffiniert dahin. Stimmlich scheint Christian Langer für sein neues Album seine Möglichkeiten noch einmal erweitert zu haben.

Er, der schon lange als vielversprechendes Talent gilt, dem nur der grosse Wurf noch nicht gelungen ist, beherrscht die vokalen Nuancen inzwischen bis hinauf in die Kopfstimme und bis weit hinein in die Welt des Jazz. Sein Pianospiel ist aufs wesentliche reduziert, und seine Begleiter spielen sich dezent auch durch schräge, vom Songschreiber geschickt verpackte Rhythmen. Eigensinnig und stilistisch ehrgeizig ist vieles an diesen Kunstliedern. Gleichzeitig mag dabei mancher Zuhörer an Songs von Talk Talk oder Joe Jackson denken: auch die Mischung stimmte. (…)

Ulrich Bauer

Stuttgarter Zeitung