Stuttgarter Zeitung, 01/2002
Zum Dreissigsten:Sänger Christian Langer feiert

Als King Crimson 1969 ihre berückende Ballade „Moonchild“ geschrieben haben, da war Christian Langer noch gar nicht auf der Welt. Dass der Sänger und Pianist nun, genau an seinem dreissigsten Geburtstag, gerade diesen Song der Avantgarde-Pop-Pioniere wieder ausgegraben hat, sagt schon viel über die Klangwelt aus, in der Langer, bekannt als Mitglied der A-cappella-Gruppe Füenf, auf seinen Solopfaden umherwandelt.
Düster-melancholische Melodien sind es, denen Langer zu Beginn seines Doppelkonzertes im Theaterhaus mit seiner variationsreichen, klaren Stimme Leben einhaucht. Viel ist da von Tod, von Abschied und Trennung die Rede: „C-Abgesang“ heisst sein jüngstes Werk.

Nicht gerade das, womit man in der Pop-Spassgesellschaft, die Langer zusammen mit den Füenf durchaus hoch kompetent bedient, reüssieren könnte. Aber Christian Langer ist musikalisch immer seinen eigenen Weg gegangen. Bereits mit seiner ersten Formation Supper’s Ready hat er in jungen Jahren versucht, die Grenzen der Popmusik auszuleuchten. Den dreissigsten Geburtstag, der, so Langers Überzeugung, für einen Sänger im Popgeschäft so etwas wie den „Schlusspunkt der ‚ich werde Popstar’-Bemühungen“ bedeute, hat der Stuttgarter Musiker dazu genutzt, noch einmal alle Schaffensphasen seiner Karriere zu beleuchten.

Wenn man ihn überhaupt einordnen will, dann bewegt sich Langer – uneingeschränkt eigenwillig – zwischen Kurt Weill, King Crimson und Billy Joel hin und her, wobei oft vertrackte Rhythmen das Fundament bilden. Dafür sorgen an diesem Abend der Kontrabassist Mini Schulz und der Schlagzeuger Frank Dapper. Der Gitarrist Jo Ambros ist eher für sphärische Klänge zuständig, erdige Riffs darf er nur selten beisteuern. Ganz eindeutig: Christian Langers Musik richtet sich nicht an den Bauch. Man muss sie erst im Kopf verarbeiten – und wirken lassen.

Kai Holoch

Stuttgarter Zeitung