Waiblinger Kreiszeitung, 06/2002
Geknetete Lieder, live gespielt

Musiker Christian Langer feierte seinen 30. Geburtstag mit einem Konzert, das Ergebnis gibt's auf CD

“Es heisst ja immer, dass im Pop-Geschäft für Künstler mit 30 Jahren die Grenze erreicht ist”, sagt Christian Langer. Im Januar ist er 30 Jahre alt geworden. Dem Vorurteil habe er dann, erzählt der Musiker, etwas entgegensetzen müssen. Deshalb feierte Christian Langer, Mitglied auch der Acappella-Formation Füenf, seinen Geburtstag im Stuttgarter Theaterhaus, gemeinsam mit einem “ausgewählten Publikum” von etwa hundert Freunden und Bekannten. Und er verband die Feier mit einem Konzert für den erlauchten Kreis.

20 Lieder, die Christian Langer an diesem Januar-Abend in Stuttgart spielte, hat der Künstler nun auf die CD “C-Live'02” gepresst und verkauft sie über seine Internet-Homepage. Mehr als ein Drittel der Songs war bislang unveröffentlicht, der Rest sind neue Arrangements von eigenen und fremden Liedern. Der erste Eindruck: eine ruhige Platte, teilweise poppig, manchmal jazzig, gelegentlich schmalzig. Das sieht Christian Langer anders. “Ich will mich aber dagegen wehren”, sagt er, “dass das ne ruhige Platte ist. Ruhig ist sie nicht.” Viele Lieder seien groovig und kraftvoll, sphärisch und “sehr stimmungs-voll”. Die Scheibe hält er für das Beste, das er bisher gemacht hat. Klappern gehört zum Handwerk.

Eigentlich, erzählt er, wollte er bei dem Konzert insgesamt 30 Stücke spielen – für jedes Lebensjahr eines. Da er aber erst seit 15 Jahren komponiert, schlug er sich diese Idee aus dem Kopf. Und lud seine drei “Lieblingsmusiker” ein, mit ihm zu spielen: den Bassisten Mini Schulz, den Gitarristen Jo Ambros und den Schlagzeuger Frank Dapper

Dass er viele seiner früheren Lieder nun “bis zur Unkenntlichkeit erneuert” hat, begründet Christian Langer damit, dass er an seiner alten Musik hängt, “aber sie heute nicht mehr so schreiben würde.” Deshalb ändert er sie so, dass es wieder Spass macht sie zu spielen. Lieder sind “wie ein Knetball”, sagt Langer. Und Knetbälle könne man – kneten. Genauso mache er es mit seiner Musik.

Einige der Songtitel klingen ein wenig traurig, manchmal sogar makaber. “Singing in the graveyard” heisst das vierte Lied, “Singen auf dem Friedhof”. Andere Stücke handeln von Abschied, Verlust oder einer Welt, die man niemals erreicht. Die Umsetzung der Lieder klingt indes weniger traurig. Meistens geht's eher ruhig zu, und einige Stücke könnten locker als schöne Balladen bezeichnet werden.
Balladen sind das keine, widerspricht der Künstler: “Ich mag das Wort nicht. Das hat so was schwülstiges, das ist meine Musik nicht.” Seine Musik sei emotional – Balladen dagegen seien “berechnend”. “Nikita” von Elton John sei eine Ballade. Oder “Wind of Change” von den Scorpions.

Langer sagt selbstbewusst: “Ich sehe mich eigentlich mehr als Popmusiker, der versucht Musik zu machen, die mehr Tiefgang hat als das, was in den Charts läuft.” Er lacht, zwinkert und schlussfolgert: “Deshalb läuft's ja auch nicht in den Charts.” Die Lieder textet Christian Langer ausschliesslich in englischer Sprache, weil er Deutsch so “hart” findet. Obwohl er “ganz gut” Englisch spreche, lässt Langer die Texte von Freunden gegenlesen, damit sich keine Fehler einschmuggeln. In den vergangenen acht Jahren hat er sich besonders mit dem Tod beschäftigt. Sein letztes Album hiess “Abgesang”. Es seien damals “bestimmte Dinge vorgefallen”, die ihn dazu brachten über das Thema nachzudenken. Ein trauriger Mensch allerdings sei er nicht.

Christian Langers Musik klingt angenehm, aber sie ist auch anstrengend. Sie fordert die Aufmerksamkeit des Zuhörers, seichte Unterhaltungsmusik ist sie keine.

Jens Lang

Waiblinger Kreiszeitung